Das neue Abenteuer 421 - Das gelbe Trikot by Günter Teske

Das neue Abenteuer 421 - Das gelbe Trikot by Günter Teske

Autor:Günter Teske [Teske, Günter]
Die sprache: deu
Format: epub
veröffentlicht: 1981-04-14T16:00:00+00:00


Mit gesenktem Kopf kam Holmen herangejagt. Er fuhr vorbei, als gäbe es niemanden außer ihm auf der Landstraße. Jens trat an, fuhr im gleichen Tempo neben ihm und steckte eine Banane in den Mund. „Vergiß das Essen nicht, du Hungerlatte“, sagte er. Holmen verschärfte das Tempo. Jens folgte mühelos, löste die Trinkflasche vom Rahmenrohr, nahm einen langen Schluck und rief fröhlich: „Prost!“

Holmen wand sich auf der Rennmaschine wie ein Wurm. Er wrang die letzte Kraft aus sich heraus, konnte seinen Gegner aber nicht einen Meter zurücklassen. „Und nun die Nachspeise“, fuhr Jens fort. Er richtete sich auf, löste die Hände vom Lenker und suchte in seiner Trikottasche. „Schönen Gruß noch von Gitti. Du weißt ja, ich soll mich nicht so lange bei dir aufhalten. Die Eierkuchen sind auch von ihr. Schmecken gut.“ Freihändig verzehrte er das Stück. Er beobachtete Holmen, der verkrampft auf dem Rad saß, aber immer noch sehr schnell fuhr.

„So, das war's denn, du Stiesel. Konntest mir nicht mal guten Appetit wünschen.“ Jens klopfte sich die Hände ab, legte sie oben auf den Lenker und sah zu Holmen. Einen Moment packte ihn Mitleid, doch er wollte den Triumph bis zur Neige auskosten. Zu lange hatte er darauf gewartet, zu oft hatte Holmen ihn gekränkt und beleidigt. „Dann wollen wir mal die Ruhepause beenden. Paß auf, ich schnalle mir ein Bein auf den Rücken, das Tempo wirst du wohl mithalten.“

Jens trat kräftiger in die Pedale, und sofort setzte er sich von Holmen ab. „Nun komm doch schon, Langer, wir können hier nicht ewig spazierenfahren.“ Er sah zu Holmen zurück. Der hatte sich aufgerichtet und schüttelte wie geistesabwesend den Kopf. Jens hatte Holmens Moral gebrochen. Doch die Freude, die er sieh ausgemalt hatte, kam nicht. Dieser zähe, ausdauernde Rennfahrer hatte sich in einen geschlagenen, verzweifelten Mann verwandelt, der nun kläglich auf seinem Rad hing und plötzlich keine Kraft mehr hatte. Den Kopf gesenkt, starrte Holmen auf seine automatisch auf und nieder tretenden Beine, als könne er ihr Versagen nicht begreifen. Für ihn war eine Welt zusammengebrochen.

Noch mehr wollte Jens ihn nicht demütigen. Er wußte am besten, wie weh das tat. Und doch, eins mußte er ihm noch sagen: „Danke, lieber Sportfreund Holmen! Deine Trainingsmethode hat aus mir doch noch einen guten Rennfahrer gemacht!“

Dann verschärfte Jens das Tempo. Holmen blieb endgültig zurück. Doch während Jens einem ungefährdeten Sieg entgegenfuhr, bedrückte ihn immer stärker ein ungutes Gefühl. Immerhin würde er über einhundert ehrliche Sportler betrügen und Tausende Sportanhänger täuschen.



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